Ein ungenannter Freiwilliger in Deutschland

Ein Jahr in Deutschland zu verbringen – würde sich das lohnen? – Das ist ja super toll! hatten meine Freunde gesagt. Jetzt hast Du die Gelegenheit, ein reicher Mensch zu werden! sagten sie damals. Bin ich reich geworden? - Warum bin ich hier? Warum leiste ich in Deutschland ein soziales Jahr, in einem reichen Land, wo ich eigentlich nur den Menschen diene?

Ehrlich gesagt, am Anfang habe ich geglaubt, dass ich hier nur ein Diener bin, der nur schafft und arbeitet und sonst nichts anderes tut. Ich denke, es wäre mir schwer gefallen, mit einem solchen Bewusstsein weiterzuarbeiten und das Jahr durchzuhalten.

Am Dienstende habe ich auf die Frage, ob ich mit dem Jahr zufrieden bin, mit Nein geantwortet.

Wie schön und hoffnungsvoll sind die ersten Wochen gewesen – schwer ist die Fortsetzung geworden ... Ich hatte das Gefühl, dass ich bloß ein billiger Zusatz bin, dass meine Arbeitskraft im Heim ausgenutzt wird. Statt sinnvoller Arbeiten, wie z.B. Spaziergänge, Beschäftigungen, Gespräche mit den Senioren, sollte ich jeden Tag die gleiche Arbeit machen: Essen vorbereiten, Geschirr einsammeln, abwaschen, Toiletten sauber machen. Als ich Feierabend hatte, hatte ich schon keine Energie oder Lust mehr, mich mit den alten Leuten zu unterhalten ... Fremde Leute haben mir gesagt: Du bist blöd und dumm, dass Du aus Ungarn kommst, um solche Arbeiten freiwillig zu machen.

Ich habe meinem Chef versucht zu erklären, dass ich mich nutzlos fühle und würde gerne eine sinnvollere Arbeit machen ... Es kam keine Antwort. - Wie es immer schon war und ist und wird, habe ich von den Menschen, die keinen Chef oder Chefin gespielt haben, viel mehr bekommen. Es war ein Zivi in der Küche, mit dem ich Freundschaft geschlossen habe. Er konnte das ununterbrochene Abwaschen und Reinigen auch schwer ertragen. Eines Tages hat er zu mir folgendes gesagt: Wenn Du gegangen wärest, wäre ich auch gegangen. Seine Worte und Worte von anderen haben mich überzeugt, dass mein Bleiben im Heim nützlich ist.

Auch war für mich eine Isoliertheit gegenüber den anderen, dass ich mich verliebt habe. Wir wollten immer mehr Zeit miteinander verbringen, das hat unsere Umgebung vielleicht auch genervt.

Ich habe viel gelernt, vor allem Respekt vor anderen Menschen zu haben, vor Menschen, die genötigt sind, keine erhebende Arbeit zu machen ... Ich habe auch die deutschen Menschen lieb gewonnen, die sich genauso fühlen wie wir und genauso empfindsam und hilfsbedürftig sein können wie wir. - Auch habe ich Menschen getroffen, die uns aus Osteuropa gering schätzen und meinen, Deutsche wären besser ...

Ein Jahr habe ich in Deutschland verbracht, ein ganzes Jahr: Das hat sich gelohnt.

Freiwillige aus West- und Osteuropa - Euro-Friedies in Deutschland

  • Anna - 1997/98 aus Polen in einem offenen Kinder- und Jugendtreff
  • Emese - 1997/98 aus Ungarn in einem Kinderhaus in Hoyerswerda
  • Magdaléna - 1995/96 aus der Slowakei in einem Altenheim bei Dresden

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