Philippe - 1991/92 in Belfast, Nordirland

Während seiner Dienstzeit in einem Workshop für arbeitslose Jugendliche spürt er, wie Terroranschläge die Stimmung in seiner Umgebung verhärten.

... Eine nervöse Spannung baut sich auf, nachdem Soldaten aus dem Ulster Defence Regiment / UDR brutal gegen Einwohner vorgegangen sind. Einer ihrer Kollegen verlor wenige Stunden zuvor bei einem IRA-Attentat beide Beine. Am folgenden Tag greift eine aufgebrachte Menschenmenge eine Armeepatrouille an, wobei drei Zivilisten durch Schüsse und ein Soldat durch Messerstiche verletzt werden.

Die Wolken des Hasses verdichten sich. Selten war der Himmel über Irland frei von ihnen. Wer ihren Ursprung sucht, muss weit in die Vergangenheit zurückblicken. Doch wir befinden uns in der Gegenwart, was ein Element des so komplexen Konflikts offenbar werden läßt: Das Vergangene ist gegenwärtig. Die Wellen des Mauerfalls, die Europa aufwühlen, scheinen an Nordirland ohne Wirkung vorbeigezogen zu sein. Im Osten werden ständig Grenzen offener, hier bleiben die Fronten starr.

Entgegen meinen Vorsätzen habe ich mich einhüllen lassen von dumpfer Gleichgültigkeit. Die anfängliche Faszination ist längst der Ernüchterung des Alltags gewichen. Meldungen in den Medien über die jüngsten Opfer der troubles werden kaum noch wahrgenommen. Das Auge wird oberflächlich, und Belfast scheint eine Stadt wie jede andere zu sein. Die schrecklichen Unruhen werden zu Randerscheinungen. Doch an Tagen, an denen es schwer ist, eine Straße zu finden, in der kein schwergepanzerter Polizei- oder Armeewagen steht, fallen die allmählich gewachsenen Scheuklappen. Es wird einem bewußt, dass jene schläfrige Passivität in gewisser Weise ein Dulden dieses blutigen Wahnsinns bedeutet ...

Weitere Beiträge zu "Freiwillige und ihr Umfeld - Fremd in der Fremde"

  • Rebecca - 1992/93 in Belfast/Nordirland in einem Sozialzentrum
  • Beate - 1998/99 in Pavlovsk bei St. Petersburg/Rußland
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