Mary - 1990/91 im Kinderdorf Eiras bei Coimbra, Portugal

In Portugal sah sie sich erstmals auf neue Weise mit ihrer eigenen Nationalität konfrontiert.

Als Deutsche in Portugal treffe ich immer wieder auf verschiedene Vorurteile, positive wie negative. Geläufig in den Köpfen der Portugiesen ist der pünktliche, strebsame, arbeitsame und ordentliche Deutsche, der aber auch kalt und distanziert ist. Natürlich suchen einige Portugiesen bei uns nach diesen Eigenschaften, und es ist gut, dass oft ein Gespräch darüber zustande kommt, ob sie nun zutreffen oder nicht. Im großen und ganzen werden mir als Deutsche kaum negative Reaktionen entgegengebracht. Oft heißt es aber auch, ich wäre keine typische Deutsche und fiele somit aus dem Schema heraus, das folglich trotzdem erhalten bleiben kann.

Darum möchte ich schon manchmal bewusst deutsch sein. Es ist zwar verlockend, sich als Einheimische zu geben, um bloß nicht aufzufallen oder angestaunt zu werden, aber schließlich bin ich nicht in Portugal, um als Portugiesin wieder nach Deutschland zu kommen.

Wo es wichtig ist, sich einzufühlen, wo Sitten und Gebräuche für sozialen Kontakt und für das Bilden einer Vertrauensbasis notwendig sind, lasse ich mich eher darauf ein, denn ich kann auch viel Positives entdecken und lernen. Trotzdem möchte ich dem schon einiges entgegensetzen, das die Portugiesen als sehr deutsch empfinden können, das mir aber als Eigenschaft sehr wichtig ist. Denn ich beseitige keine Vorurteile, wenn das Fazit heißt: Du bist ein netter Mensch, weil Du so portugiesisch bist. Lieber wäre mir folgende Version: Du bist zwar keine Portugiesin, aber trotzdem nett!

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