Magdaléna (Slowakei) - 1995/96 in Goppeln bei Dresden

Sie leistete gemeinsam mit zwei Ungarinnen in einem Altenheim in Goppeln bei Dresden Dienst.

Am 10. Oktober 1995 stand ich vor der Tür des Hans-und-Sophie-Scholl-Hauses (Geschäftsstelle des ICE, Anm. der Redaktion), ganz gespannt und neugierig. Uns wurde FSDE vorgestellt, dann ging es nach Goppeln ins Altenheim. Ich habe das Altenheim, die Wohnung und die Umgebung gesehen und war begeistert. Am nächsten Tag musste ich mich entscheiden und ich habe gleich ja gesagt. Die Reaktion meiner Eltern: Der Leiter ist ein Jesuit, in Goppeln bist Du bei den Schwestern. Dir kann nichts passieren. Also, mach's gut! - Sie sind ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren. - Plötzlich war ich ganz allein. Fremde Leute, fremde Sprache, fremde Umgebung, fremde Verhältnisse, alles fremd.

In der ersten Woche bin ich im Hans-und-Sophie-Scholl-Haus geblieben. Hier fand gerade ein Orientierungsseminar für kommende Friedies statt. Ich nahm daran teil und meine Schwierigkeiten begannen: Ich habe sehr wenig verstanden. Alle haben zu schnell und nicht immer Hochdeutsch gesprochen. Ich war traurig. Es war klar, dass ich nach zwei Tagen nicht alles verstehe, aber ich habe mich so unsicher gefühlt ...

Mein erster Dienst in Goppeln begann um 7.00 Uhr. Mit einer Mitarbeiterin bin ich zu einer Frau gegangen. Diese Frau hat gerade am Waschbecken gestanden. Sie war nicht angezogen. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal einen alten Körper gesehen. Es ist mir schwer gefallen. Ich wollte mich umdrehen und weggehen. Ich weiß nicht, warum ich damals geblieben bin. Die Frau hat bestimmt meine Verlegenheit bemerkt. Aber sie war sehr lieb zu mir, sie hat die ganze Zeit mit mir geredet.

Und die anderen Heimbewohner? - Sie waren alle so lieb, tolerant, aufmerksam und vor allem verständnisvoll. Ich konnte mir wirklich nichts Besseres wünschen. Mit der Zeit konnte ich schon mehr verstehen und sagen. So habe ich immer mehr Kontakt zu den Leuten gefunden. Plötzlich war ich nicht bloß irgendeine Slowakin oder irgendeine Magdaléna. Ich bin ins Altenheim gegangen, und eine Frau hat zu mir gesagt: Guten Morgen, mein Kind. Es war aber nicht immer so toll ...

Auf unserer Station sind drei Frauen gestorben. Sie waren für mich eigentlich fremd, aber ich habe sie trotzdem vermisst. Dann kamen neue Heimbewohner, unter ihnen eine sehr böse Frau. Sie hat mich mit sehr bösen Worten angeschrien. Den ganzen Nachmittag habe ich wie verrückt geweint. Ich habe im Altenheim zum ersten Mal solche bösen Worte gehört. Ich musste mich daran gewöhnen, meine Mitarbeiter natürlich auch. Aber es war sehr schwer. Die ganze herrliche Atmosphäre auf der Station war plötzlich weg. Ich musste mir viel Mühe geben, dass ich zu dieser Frau immer lieb und höflich war. Ich habe mit mir selbst sehr oft gekämpft. Es war schrecklich schwer...

Freiwillige aus West- und Osteuropa - Euro-Friedies in Deutschland


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